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Hercules Wankel W 2000 von Martin
Im Januar 2007 ist eine Seltenheit zur Sammlung dazu gekommen. Eine Hercules Wankel von 1975, im Volksmund als Staubsauger bekannt. Es handelt sich um die Nummer 1.100 von exakt 1.800 gebauten Hercules Wankel W 2000. Es ist noch die Version, die mit 1:25 Gemisch getankt werden muss. Die letzten Modelle aus 1976 waren mit Getrenntschmierung mit einem Öltank ausgerüstet.

Platz im Wohnzimmer
Es ist ein richtiger Scheunenfund gewesen. Ein Arbeitskollege fragte mich im Winter 2006/2007 irgendwann so nebenbei, ich würde doch ältere Motorräder fahren und viele Motorradfahrer kennen. Ob ich nicht jemanden kennen würde, der Interesse an einem Wankel-Motorrad hätte. Mehr als Motorrad und Wankel wüsste er auch nicht daüber und schon drückte er mir eine Telefonnummer in die Hand. Und ob ich jemanden kannte, sehr gut sogar ;-). Also hab ich angerufen, aha, eine Hercules Wankel. Ich kannte bis dahin nur die RE5 von Suzuki, die ich sogar schon mal fahren gesehen hatte. Aber W 2000 sagte mir erstmal nichts. Bei der Recherche im Internet erkannte ich sie wieder, die hatte ich schon mal im Museum gesehen. Aber entgegen gekommen ist mir noch keine. Also nichts wie hinfahren, hab sie mir angesehen und bin mir auch schnell mit dem netten Vorbesitzer einig geworden. Zwei Wochen später wurde sie mit dem Anhänger abgeholt und da die Garage voll war, wurde halt im Wohnzimer Platz gemacht.


zerlegen und reinigen
Mindestens 20 Jahre hat sie laut Vorbesitzer gestanden und der Fahrzeugbrief ist natürlich weg. Aber der Schlüssel wäre noch dabei (Ist entbehrlich, ist ein Mofaschloss wie bei meiner PRIMA 5 S damals). Die Reifen sind noch aus den 1970er Jahren, also wird sie Anfang der 1980er stillgelegt worden sein. Also eher 30 Jahre Standzeit. Zum Glück wurde sie in einer trockenen Halle aufbewahrt, weshalb der Rost sich in Grenzen hält. Die Laufleistung von über 33.000 Kilometern, penibel aufgezeichnete Ölverbräuche und eine krumme Lampenhalterung lassen darauf schließen, dass die W 2000 im Alltag gut rangenommen wurde. Also wird sie Schritt für Schritt zerlegt, gereinigt und Bestandsaufnahme gemacht.


Rost am Rahmen
Die W 2000 ist soweit vollständig, komplett original und der Motor dreht. Was will man mehr. Wie auf dem Bild zu sehen, ist der Rahmen und die Schwinge hinten schon ganz ordentlich angerostet. Da wird wohl eine Lackierung fällig sein. Alle sonstigen Anbauteile sehen von aussen verhältnismäßig gut aus. Die Räder sind schnell wieder auf Hochglanz poliert, das Schutzblech vorne ist nach der Reinigung wie neu. Von den Armaturen wird in stundenlanger Arbeit eine dicke Schmodderschicht entfernt.


Der Tank ist zurück
Wegen der schlechten Erfahrungen mit Suzukitanks nach längeren Standzeiten gilt der nächste Blick dem Inneren des Wankeltanks. Uuaahhh, da riecht man den Rost schon. Als mein Profi-Tankbeschichter ein paar Tage später den Tank in der Hand hält und begutachtet, verdreht er die Augen und meint: "Auahauahaa! ... aber keine Sorge, es gibt ja kein Problem, was wir nicht noch verschlimmern können". Zwei Wochen später kann ich den Tank aber entrostet und beschichtet abholen. Gut, dass die damals so dickes Blech verwendet haben, das war noch Qualität.


Motor W 2000
Der Vergaser wurde im Ultraschallbad gereinigt und mit neuen Dichtungen und neuer Membran versehen. Ein Dankeschön geht an Karl Ensmann von der Motorbikestation für die Hilfe mit dem Ultraschallbad. Über die Hercules Wankel IG habe ich Zahnräder und eine neue Kette sowie einen neuen Benzinhahn und einen Bremskolbenreparatursatz für die Bremszange und den Bremszylinder bekommen. Der Motor wurde per Spedition an den Uli Furtner auf der Schwäbischen Alb geschickt. Der Uli kennt einen ehemaligen Hercules-Werkstattmeister, der den Motor zur Zeit zerlegt und eine Bestandsaufnahme macht. Da bin ich mal gespannt, was da raus kommt. Mal sehen, wie der Motor die lange Standzeit überstanden hat. Anschließend gehen Rahmen und weitere Teile zum Kunstoffbeschichten.


Rahmen W 2000 beschichtet
Nach Jahren der Suche (und der Untätigkeit wegen Hauskauf) habe ich im Dezember 2015 endlich einen Satz nachgefertigte Dichtleisten gefunden. Die Dichtleisten waren bei der Motorzerlegung in viele Einzelteile zerbröselt zutage gekommen. Das war wohl der Grund der Außerbetriebnahme damals, ein Kolbenfresser.
Da jetzt alle wichtigen Ersatzteile organisiert werden konnten, habe ich den Rahmen und die Anbauteile zum entrosten und pulverbeschichten gegeben. Dank Olli Schwab kam der Kontakt zu den Behindertenwerkstätten in Schleswig zustande, die gute Arbeit gemacht haben. Danke auch noch mal an Olli für den Transport zurück. Jetzt beginnt der Wiederaufbau.

Bisher ist passiert:
2007
komplett zerlegt, alles gereinigt
Tank entrostet und beschichtet
2008
Radlager im Kettenradträger ersetzt
Vergaser gereinigt und überholt
2009
Neue Kette und Zahnräder sind organisiert
2010
Ein neuer Benzinhahn ist besorgt
Ein Bremskolbenreparatursatz und ein Satz für den Geberzylinder sind da
Ein Lenkkopflager wurde besorgt. Bis auf die obere Hälfte des oberen Lenkkopflagers passen die Teile der Hercules 125/180 Military
Das Getriebe wurde zerlegt, geprüft und instandgesetzt
neue Reifen Heidenau montiert
2015
Der Motor wurde zerlegt und geprüft
2016
Rahmen und Anbauteile wurden entrostet, grundiert und in RAl 9006 (Stratos Silber) pulverbeschichtet. Der Wiederaufbau beginnt.
Bremsbeläge vorne: Es passen Beläge von der RD400, bei denen etwas Belagstärke abgedreht wird.
Wenn ich so weiter mache, ist die Fertigstellung im Jahr 2025 :-)
Daten:
Modell: Hercules Wankel W 2000
Baujahr: 1975
Kilometerstand: 34.000
Anzahl Vorbesitzer: unbekannt
Bauzeit: 1974-1976
Gebaute Stückzahl: 1.800
Bestand heute: etwa 400 Stk. weltweit
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